Die Liebe und der Altersunterschied

Die Liebe und der Altersunterschied

Vor einiger Zeit wurde auf SAT1 die Doku-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ ausgestrahlt. Laut Senderangaben haben sich 7000 Singles beworben, um – mit Hilfe von Experten – den Partner fürs Leben zu finden. Die Paarfindung erfolgte dabei auf wissenschaftlicher Basis, sprich: Es wurde untersucht, welche Singles gemeinsam eine Chance auf die Liebe haben. Allerdings wurde das Kriterium „Alter“ auch hier vergleichsweise stiefmütterlich behandelt. Inwiefern dieses sich jedoch auf die Liebe auswirkt, soll Thema in diesem Beitrag sein.

Umfangreiche wissenschaftliche Tests könnten die Partnerwahl optimieren

Zurück zum Ausgangspunkt: Das Alter war bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ natürlich nur eines von vielen Kriterien und wurde weitestgehend vernachlässigt. Bildungsabschluss, Ethnie, Religion sowie relevante Persönlichkeitsfaktoren wurden herangezogen, um aus den Bewerbern Paare zu bilden, die dann letztlich ohne Hochzeitsmessen-Trubel einfach nur verheiratet bleiben sollten. Bei der langwierigen Prozedur wurden auch diese neuen Testvarianten gewählt:

  • Das Biofeedback, bei dem der Umgang mit Stress, Bindungs- und Beziehungsverhalten ebenso eruiert werden kann sowie etwaige Partnerreferenzen.
  • Beim Attraktivitätstest stand vor allem die sexuelle Anziehungskraft und die Frage im Fokus: Wer wirkt (warum) anziehend auf das andere Geschlecht?
  • Beim Stimmtest stand eben genau diese im Mittelpunkt: die Stimme. Dabei wurde eine Aufnahme dem potentiellen Partner vorgespielt und mithilfe des Biofeedbacks ermittelt, wie es um die Reaktion darauf bestellt war.

Darüber hinaus wurde der Big-Five-Persönlichkeitstest, das Beziehungs- und Bindungs-Persönlichkeitsinventar ebenso herangezogen wie das Adult-Attachment-Interview, operationalisierte psychodynamische Diagnostik, der Fisher-Test, Dirty Dozen sowie das Verhaltens- und Erlebnisinventar.

Fern ab von Kameras gelten andere Regeln für die Partnerwahl

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Ohne die Hilfe eines Fernsehsenders hingegen gelten bei der Partnerwahl meist dieselben (vergleichsweise „gewöhnlichen“) Regeln. Charakter, Aussehen, Bildung und Humor seien zahlreichen Studien zufolge wohl die entscheidenden Kriterien, ob es funkt.

Auch der Lebensstil sollte ebenso ähnlich sein wie der Beziehungsstil, sprich: ein rauchender Couch-Potatoe, der gerne auch mal vergisst, wie das Date der letzten Nacht vom Karneval hieß, passt nicht wirklich zur vegan und enthaltsam lebenden Frau, deren erster Gang morgens auf den Stepper führt – mit Gesundheits-Smoothie im Gepäck, versteht sich.

Spannenderweise können noch so viele Studien gewälzt werden, nur in den wenigsten Fällen wird das Alter als entscheidendes Kriterium angesetzt. Warum das so ist, bleibt völlig ungeklärt, ist es doch quasi ein „ungeschriebenes Gesetz“, das man(n) älter sein sollte, als die Frau. Doch wie viele Jahre sind eigentlich erlaubt und was, wenn es genau andersherum ist und die Frau älter ist, als der Mann?

Dann braucht man offensichtlich ein größeres Selbstvertrauen, denn von Neid geprägt, brodelt schnell die fiese Gerüchteküche, Frau habe sich einen „Toy-Boy“ angeschafft. Dass das Alter bei der Frage nach der Partnerwahl, nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte, zeigen diese Annahmen und Aussagen zum Alter des Partners:

  • Stichwort Sex: „Mit den Jahren verlieren viele Frauen lästige Hemmungen und möchten sich endlich völlig frei sexuell ausleben“, heißt es bei www.reif6.de. Offen bleibt allerdings, ob eben dort vor allem gleichaltrige (ältere) Frauen anzutreffen sind, oder ob junge Männer auf reifere Frauen treffen können.
  • Stichwort (Langzeit-)Beziehung: „Mit einem Altersunterschied von fünf Jahren, steigt die Trennungsrate um 18 Prozent, bei zehn Jahren um 39 Prozent und bei einem Altersunterschied von 20 Jahren steigt das Risiko einer Trennung sogar um 95 Prozent“, heißt es in diesem Beitrag, der direkt auf eine Studie verweist, bei der 3.000 Daten untersucht worden sind. Der „ideale“ Altersabstand sei demnach ein Jahr. Bei diesen Paaren lag die Trennungsrate bei gerade einmal drei Prozent.
  • Stichwort Altersformel: Eine rein rechnerische Annäherung an das Thema wurde auf flirtuniversity.de dargestellt: „Neben der Tat In der Kultserie ‚How I met your Mother‘ und in Artikel 113 des dazugehörigen Bro Codes wird folgende Formel aufgestellt: X >= Y/2 + 7. X beschreibt Barney Theorie sein Alter und Y das ihre.“ Blickt man auf die dazugehörige Tabelle, zeigt sich: 30-Jährige sollte nach mindestens 22-Jährigen suchen, 40-Jährige nach mindestens 27-Jährigen, 50-Jährige nach mindestens 32-Jährigen, 60-Jährige nach mindestens 37-Jährigen, 70-Jährige nach mindestens 42-Jährigen, 80-Jährige nach mindestens 47-Jährigen und 90-Jährige nach mindestens 52-Jährigen.

Anzahl der Single steigt, doch warum?


Mit Blick auf die wohl bekannteste deutsche Langzeitstudie, die SOEP, zeigten sich teils erstaunliche Ergebnisse. Eines davon dreht sich erneut ums Alter und setzt in der Vergangenheit an. In den 60er Jahren stieg die Geburtenrate. Der Wohlstand der Nachkriegszeit ließ die Geburtenzahlen in die Höhe schnellen, die Pille ließ sie erneut einbrechen. Daraus resultierte für eine gewisse Altersgruppe ein mächtiges Problem, denn: Wenn Frau tendenziell nach etwas älteren Männern sucht und Mann tendenziell nach etwas jüngeren Frauen sucht, dann gibt das in manchen Alterssträngen mehr Konkurrenz und weniger Angebot.

Die Geschichte ist allerdings nur ein Grund für die steigende Anzahl der Singles. Auch die Emanzipation trägt maßgeblich dazu bei, da Frau sich selbst versorgen kann, Karriere macht und man(n) für viele Dinge nicht mehr braucht, die sie einst zur Ehe führten. Daneben sorgen Arbeitslosigkeit für Schwierigkeiten bei der langfristigen Bindung, denn: Wer arbeiten möchte, muss auch regional flexibel sein.

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