Oldtimer Träume – eine Geldanlage der anderen Art

Oldtimer Träume – eine Geldanlage der anderen Art

Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Krisen gelten stabile Wertanlagen als sehr gefragt. Wenn man sich überlegt, dass die Zinsen für klassische Geldanlagen inzwischen nicht einmal mehr die Inflationsrate kompensieren können und für Sparguthaben demnächst vermutlich sogar negative Zinsen von den Banken verlangt werden, scheinen Sachwerte eine gute Idee zu sein.

Die Immobilien sind dabei nicht jedermanns Geschmack und Preisklasse. Deutlich niedriger kann man bei alten Autos einsteigen. Tatsächlich gelten Oldtimer als Geldanlage inzwischen als brauchbare Alternative – sofern man keine Wunder erwartet.

Unrealistische Erwartungen?

Das Problem mit dem Oldtimer als Geldanlage liegt darin, dass die Erwartungen häufig unrealistisch hoch angesetzt werden. Als Vergleichspunkt dienen oft vollkommen überzogene Preise von Einzelmodellen, die über Versteigerungen an den Mann gebracht werden. Natürlich gab und gibt es solche Einzelfälle immer wieder, sie sind jedoch leider nicht die Regel.

Auch gibt es keine narrensicheren Empfehlungen, welche Modelle tatsächlich einen nennenswerten Wertzuwachs erlangen können. Einige Klassiker sind grundsätzlich in den Listen der Geldanlagen zu finden, so etwa der Mercedes 300 SL Flügeltürer oder viele Modelle aus der berühmten Serie des Porsche 911.

Diese Autos sind in der Regel eine gute Anlage, wenn man sie früh genug gekauft hat. Besonders seltene Autos in gutem Zustand sind nicht für kleines Geld am Markt zu bekommen und wenn bereits viel in die Anschaffung des Oldtimers investiert ist, bleibt es fraglich, ob die Investition sich noch rentieren kann.

Findet man einen der berühmten vergessenen Scheunenfunde für kleines Geld, kann die Rechnung aufgehen. Allerdings gilt auch hier, dass die Geldanlage nicht immer Rendite abwirft.

Die Relation zwischen Kosten und Ertrag muss stimmen

Wer einen alten, verwitterten Klassiker für wenig Geld bekommt, hat schon einmal eine mehr oder weniger gute Substanz. Doch damit lässt sich noch keine Geldanlage machen.

Bei Oldtimern und Klassikerfahrzeugen gilt:
Je originaler und besser der Zustand, desto höher der Preis. Daher muss ein altes Fahrzeug im schlimmsten Falle restauriert und im besten Falle permanent gepflegt werden. Auch Letzteres kostet Geld, denn einfach in die Garage stellen und auf die positive Wertentwicklung warten, funktioniert nicht.

Standschäden durch Nichtbenutzung können ebenso gravierend ausfallen wie permanenter Alltagsverschleiß. Und ein geeigneter Stellplatz in einem Depot, in dem die Balance zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit ideal geregelt ist, kostet ebenfalls Geld.

Nicht zu vergessen, dass man die Zeit für das Hobby Oldtimer einplanen muss. Gerade, wenn Fahrzeuge restauriert werden müssen, schlägt das schnell mit erheblichen Summen zu Buche.

Schwierig wird es, wenn die Oldtimer so exquisit und selten sind, dass Ersatzteile gar nicht mehr oder nur mit großem Aufwand beschafft werden können. Eine Garantie, dass selbst ein perfekt restauriertes und erhaltenes Fahrzeug später die Ansprüche an eine rentable Geldanlage erfüllt, gibt es nie.

Ist ein Porsche immer eine sichere Geldanlage?

Der Porsche 911 gilt als eines der Fahrzeuge, das hinreichend häufig hergestellt wurde, um nicht zum absoluten Exot zu verkommen. Es gibt also immer wieder brauchbare Modelle, auch Unfallwagen, die mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder instandgesetzt werden können.

Gerade bei Porsche ist die Unterstützung des Herstellers und der vielen Fahrerclubs bei der Beschaffung von Ersatzteilen ein Segen. Doch natürlich gibt es auch beim 911er verschiedene Modelle, die besser und weniger gut funktionieren.

Günstig in der Anschaffung sind etwa die ungeliebten Modelle mit den „Spiegelei-Scheinwerfern“, die in den späten 90ern die eingefleischten 911er-Fans verschreckten. Solche Fahrzeuge kommen jetzt relativ günstig auf den Markt.

Trotz der modischen Verfehlungen der Designer wird ein Spiegelei-911er sicherlich auch irgendwann eine gerechte Bewertung als Oldtimer erfahren. Bis dahin ist es jedoch noch eine Weile hin. Gefragte „echte“ Oldtimer, also Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind, steigen bei gutem Erhaltungszustand im Preis erheblich.

Original ist (fast) immer besser als Tuning

In den 80er und 90er Jahren (und zum Teil heute noch) galt Tuning bei manchen Fahrzeugen als ein Muss. Was früher viel Geld gekostet hat, ist – abgesehen von Einzelfällen mit besonders speziellem und gut ausgeführtem Tuning – heute nicht mehr die Mühe wert, es senkt den Wert oft sogar.

Ein originaler Golf aus der ersten Baureihe in perfektem Erhaltungszustand kann mehr einbringen, als ein verbastelter Porsche 911 im „Zuhälter-Look“. An diesem Beispiel sieht man, dass auch eher unscheinbare Alltagsfahrzeuge im Wert steigen können. Es ist schwierig, kommende Klassiker zu erkennen. Natürlich gibt es die Klassiker, die jeder kennt. Der Porsche 911, der Mercedes SL Flügeltürer, der VW Golf, der Käfer oder auch die Ente von Citroen.

Das Problem: Diese Fahrzeuge sind als Klassiker so bekannt, dass der Markt aufgrund des relativ großen Angebotes stagnieren kann oder zumindest nicht die Erwartungen an eine Geldanlage erfüllt. Zudem sollte man wissen, dass in Oldtimer-Kreisen die Spekulanten nicht gerne gesehen sind.

Wer also in einem Forum von Liebhabern eines bestimmten Fahrzeugs auftaucht und verkündet, er wolle viel Geld mit einer Wertanlage machen, erntet meist nur Spott und Verachtung. Menschen, die ein Fahrzeug lieben, möchten es nicht als Spekulationsobjekt betrachten. Obwohl die Wertsteigerung natürlich auch Ausdruck der Wertschätzung des Marktes für ein Auto sein kann. Die Meinungen hierüber gehen stark auseinander.

So kann es funktionieren

Experten empfehlen, beim Thema Oldtimer als Geldanlage gut zu recherchieren. Was kosten Anschaffung, Restaurierung oder Erhalt des Zustands? Und wie lange möchte ich das Auto behalten? Natürlich wird irgendwann fast jedes Auto zum Klassiker – doch selbst sehr schöne und begehrte Fahrzeuge erreichen nicht immer einen großen Wertzuwachs.

Der Tipp vieler Oldtimer-Spekulanten lautet:
Kaufe kein Fahrzeug, für das sich alle interessieren, sondern kaufe eines, das keiner will. Das ist günstiger in der Anschaffung und bietet oft genau die spektakulären Wertsprünge, die als Einzelfall in die Geschichte eingehen.

Aber selbst, wenn das nicht der Fall ist:
Immerhin bleiben viele Modelle zumindest wertstabil, was angesichts der Inflationsrate aber immer noch einen realen Wertverlust bedeutet. Schöner als ein Sparbuch, das auch nicht mehr kann, ist ein Oldtimer jedoch allemal.


Bildnachweis: Thinkstock / moodboard


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