Vermögen beleihen statt verkaufen: Kredite mit Kryptowährungen und digitalem Gold

Einleitung: Liquidität schaffen, ohne Vermögenswerte aufzugeben

In der klassischen Finanzwelt gilt ein einfaches Prinzip: Wer Geld benötigt, verkauft Vermögenswerte. Aktien werden verkauft, Immobilien werden veräußert oder beliehen, und so wird Liquidität geschaffen.

Mit der Entwicklung von Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und dezentralen Finanzanwendungen (DeFi) entsteht jedoch ein alternatives Modell der Vermögensnutzung. Digitale Vermögenswerte können auf der Blockchain gehalten und als Sicherheit hinterlegt werden, um im Gegenzug einen Kredit zu erhalten – ohne sie verkaufen zu müssen.

Diese Strategie gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere bei langfristig orientierten Investoren.

Das Grundprinzip lautet:

Kryptowährungen oder digitale Vermögenswerte kaufen → als Sicherheit hinterlegen → Kredit aufnehmen → Liquidität für Ausgaben oder Investitionen nutzen

Dadurch entsteht eine Art persönliche, bankenunabhängige Finanzstruktur, in der Vermögen weiterhin investiert bleibt, während gleichzeitig Kapital verfügbar wird.

Diese Strategie ist besonders interessant für Anleger, die langfristig an Bitcoin, Ethereum oder digitale Vermögenswerte wie tokenisiertes Gold glauben und ihre Positionen nicht verkaufen möchten. Ausserdem löst die Beleihung, im Gegensatz zum Verkauf, keine moegliche Steuerpflicht aus.

Um dieses Konzept vollständig zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Grundlagen: Blockchain, Kryptowährungen und dezentrale Finanzanwendungen.

Blockchain, Kryptowährungen und dezentrale Finanzanwendungen

Die Begriffe Blockchain, Kryptowährungen und DeFi (dezentrale Finanzanwendungen) gehören zu den wichtigsten Innovationen der modernen Finanzwelt.

Eine Blockchain ist im Kern ein weltweit verteiltes digitales Register, das Transaktionen dauerhaft speichert. Dieses Register wird nicht von einer einzelnen Institution kontrolliert, sondern von einem Netzwerk von Computern.

Dadurch entstehen mehrere wichtige Eigenschaften:

  • Transparenz: Alle Transaktionen sind öffentlich einsehbar.
  • Unveränderlichkeit: Einmal gespeicherte Daten können nicht mehr verändert werden.
  • Dezentralität: Es gibt keine zentrale Kontrollinstanz wie eine Bank.

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum sind digitale Vermögenswerte, die auf solchen Blockchains existieren.

Sie ermöglichen:

  • weltweite Überweisungen ohne Banken
  • direkten Besitz digitaler Vermögenswerte
  • programmierbare Finanzanwendungen

Auf dieser technologischen Grundlage hat sich in den letzten Jahren ein neues Finanzsystem entwickelt: DeFi – dezentrale Finanzanwendungen.

DeFi ermöglicht unter anderem:

  • Kredite ohne Banken
  • Handel mit digitalen Vermögenswerten
  • automatisierte Vermögensverwaltung
  • digitale Derivate

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Bankensystem besteht darin, dass diese Dienstleistungen nicht von Banken, sondern von Softwareprogrammen auf der Blockchain (Smart Contracts) bereitgestellt werden.

Ein typisches Beispiel ist die Kreditvergabe.

Ein Nutzer kann Kryptowährungen hinterlegen und im Gegenzug einen Kredit in Stablecoins oder sogar in Fiat-Währung (wie Euro) erhalten.

Damit kommen wir zum zentralen Prinzip dieses Artikels: besicherte Kredite mit digitalen Vermögenswerten.

Besicherte Kredite mit Kryptowährungen

In der traditionellen Finanzwelt basiert nahezu jeder Kredit auf Sicherheiten.

Ein Immobilienkredit wird durch das Haus abgesichert.
Ein Wertpapierkredit wird durch Aktien oder Anleihen abgesichert.

In der Welt der Kryptowährungen funktioniert dieses Prinzip ähnlich.

Der Ablauf sieht typischerweise so aus:

  1. Ein Investor hinterlegt Kryptowährungen oder digitale Vermögenswerte als Sicherheit.
  2. Ein Programm berechnet automatisch den Beleihungswert.
  3. Der Investor kann einen bestimmten Anteil dieses Wertes als Kredit aufnehmen.

Typischerweise liegt dieser Anteil zwischen 30 % und 70 % des Sicherheitenwertes.

Dieses Modell wird als Überbesicherung bezeichnet. Der Kredit ist also durch Vermögenswerte abgesichert, deren Wert deutlich höher ist als der Kreditbetrag.

Der Grund dafür ist die Volatilität von Kryptowährungen. Da sich die Preise schnell verändern können, wird ein Sicherheitsabstand benötigt.

Sinkt der Wert der hinterlegten Sicherheiten zu stark, kann das System automatisch Positionen schließen, um den Kredit abzusichern.

Warum Kryptowährungen beleihen statt verkaufen?

Viele Investoren stehen vor einem typischen Problem.

Sie besitzen Vermögenswerte mit langfristigem Wachstumspotenzial, benötigen aber kurzfristig Liquidität.

Ein Verkauf bringt mehrere Nachteile mit sich:

  • mögliche Steuerbelastung
  • Verlust zukünftiger Kurssteigerungen
  • Risiko eines schlechten Verkaufszeitpunkts

Die Beleihung von Vermögenswerten kann dieses Problem lösen.

Der Investor behält seine Kryptowährungen und erhält gleichzeitig Liquidität.

Dieses Prinzip ist aus der traditionellen Finanzwelt bekannt. Vermögende Anleger nutzen seit Jahrzehnten sogenannte Wertpapierkredite, um gegen ihre Aktienportfolios Geld zu leihen.

Mit Kryptowährungen und Blockchain-Technologie wird dieses Modell nun:

  • weltweit verfügbar
  • rund um die Uhr nutzbar
  • unabhängig von Banken

Strategie: Kryptowährungen als langfristige Sicherheiten nutzen

Eine mögliche Strategie für Investoren lässt sich in vier Schritten beschreiben:

1. Digitale Vermögenswerte erwerben

Zum Beispiel:

  • Bitcoin
  • Ethereum
  • tokenisiertes Gold

2. Vermögenswerte als Sicherheit hinterlegen

Diese werden in einem Kreditprotokoll oder bei einem spezialisierten Anbieter hinterlegt.

3. Kredit aufnehmen

Der Investor erhält Liquidität in Stablecoins oder teilweise auch in Fiat-Währung.

4. Liquidität nutzen

Die Mittel können für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden:

  • Lebenshaltungskosten
  • Immobilieninvestitionen
  • Aktieninvestments
  • Unternehmensgründungen

Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass das ursprüngliche Vermögen weiterhin investiert bleibt.

Beispiel 1: Bitcoin als Sicherheit für Kredite

Bitcoin gilt als die bekannteste Kryptowährung der Welt und wird häufig als digitales Gold bezeichnet.

Mehrere Eigenschaften machen Bitcoin zu einer besonders geeigneten Sicherheit für Kredite:

  • begrenztes Angebot von maximal 21 Millionen Bitcoin
  • hohe weltweite Liquidität
  • robuste und sichere Blockchain
  • zunehmende institutionelle Akzeptanz

Ein Beispiel:

Ein Investor besitzt Bitcoin im Wert von 200.000 Euro.

Er hinterlegt diese Bitcoin als Sicherheit bei einem Kreditprotokoll.

Bei einer konservativen Beleihungsquote von 40 % kann er etwa 80.000 Euro Kredit aufnehmen.

Der Vorteil:

Die Bitcoin bleiben im Besitz des Investors. Steigt der Bitcoin-Kurs, profitiert er weiterhin von der gesamten Wertsteigerung.

Die geliehene Liquidität kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden:

Ausgaben

  • Renovierungen
  • größere Anschaffungen
  • Immobilienanzahlungen

Investitionen

  • Aktien
  • Beteiligungen an Unternehmen
  • Immobilien
  • weitere Kryptowährungen

Diese Strategie wird häufig als „Leihen statt verkaufen“ beschrieben.

Beispiel 2: Ethereum als produktive Sicherheit

Ethereum ist nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung der Welt und bildet die Grundlage vieler dezentraler Finanzanwendungen.

Im Gegensatz zu Bitcoin ist Ethereum nicht nur ein Wertspeicher, sondern auch eine technologische Plattform für digitale Anwendungen.

Auf Ethereum laufen unter anderem:

  • dezentrale Finanzprotokolle
  • digitale Vermögenswerte
  • Tokenisierung realer Vermögenswerte
  • automatisierte Verträge

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Ethereum ist das sogenannte Staking.

Dabei werden Ether eingesetzt, um das Netzwerk zu sichern. Als Gegenleistung erhalten Anleger eine Rendite.

Dies ermöglicht eine interessante Strategie.

Ein Investor kann:

  • Ether halten
  • durch Staking eine Rendite erzielen
  • Ether gleichzeitig als Sicherheit für einen Kredit nutzen

Ein Beispiel:

Ein Investor besitzt 500.000 Euro in Ether.

Durch Staking erzielt er etwa 3 bis 5 Prozent jährliche Rendite.

Ein Teil dieser Ether wird als Sicherheit hinterlegt, wodurch ein Kredit von beispielsweise 150.000 Euro möglich wird.

Die Vorteile:

  • die Ether bleiben investiert
  • sie generieren laufende Erträge
  • zusätzlich steht Liquidität für neue Investitionen zur Verfügung

Beispiel 3: Tokenisiertes Gold als Sicherheit

Neben Kryptowährungen entstehen zunehmend auch digitale Abbildungen realer Vermögenswerte auf der Blockchain.

Ein besonders interessantes Beispiel ist tokenisiertes Gold.

Dabei handelt es sich um digitale Token, die physisches Gold repräsentieren, das in Tresoren gelagert wird.

Jeder Token steht dabei für eine bestimmte Menge Gold.

Die Vorteile von tokenisiertem Gold:

  • Zugang zum Goldmarkt über die Blockchain
  • schnelle Übertragbarkeit
  • Nutzung als Sicherheit in dezentralen Finanzsystemen

Ein Investor kann also:

  1. tokenisiertes Gold erwerben
  2. dieses als Sicherheit hinterlegen
  3. einen Kredit aufnehmen

Gold besitzt im Vergleich zu Kryptowährungen einige besondere Eigenschaften:

  • geringere Kursschwankungen
  • lange Geschichte als Wertspeicher
  • Stabilität in wirtschaftlich unsicheren Zeiten

Dadurch kann Gold ein stabilisierendes Element innerhalb eines Sicherheitenportfolios sein.

Kombination verschiedener Sicherheiten

Viele Investoren kombinieren mehrere Vermögenswerte als Sicherheiten.

Ein mögliches Portfolio könnte beispielsweise so aussehen:

  • 40 % Bitcoin
  • 40 % Ethereum
  • 20 % tokenisiertes Gold

Diese Kombination bietet mehrere Vorteile:

Bitcoin
→ langfristiger Wertspeicher

Ethereum
→ technologische Plattform mit laufenden Erträgen

Gold
→ Stabilität und Krisenschutz

Durch die Diversifikation entsteht ein robusteres Sicherheitenportfolio.

Risiken von Krediten mit Kryptowährungen

Trotz der Vorteile sollten Investoren die Risiken verstehen.

Kursschwankungen

Kryptowährungen können stark im Preis schwanken. Sinkt der Wert der Sicherheiten stark, kann eine automatische Verwertung ausgelöst werden.

Technische Risiken

Fehler in Softwareprogrammen können zu Verlusten führen.

Liquiditätsrisiken

In extremen Marktphasen kann die Handelbarkeit eingeschränkt sein.

Regulatorische Risiken

Die Regulierung von Kryptowährungen und dezentralen Finanzsystemen entwickelt sich weiterhin.

Bewährte Vorgehensweisen

Erfahrene Anleger beachten einige wichtige Grundregeln:

Konservative Beleihung

Viele Investoren nutzen nur 20 bis 40 Prozent Beleihung.

Diversifikation

Mehrere Vermögenswerte als Sicherheiten verwenden.

Liquiditätsreserve

Ausreichende Mittel bereithalten, um bei Kursschwankungen Sicherheiten nachlegen zu können.

Risikostreuung bei Plattformen

Sicherheiten nicht nur bei einem Anbieter hinterlegen.

Fazit: Eine neue Strategie für moderne Investoren

Die Kombination aus Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und besicherten Krediten eröffnet eine neue Dimension der Vermögensstrategie.

Investoren können:

  • Kryptowährungen langfristig halten
  • Liquidität generieren, ohne Vermögenswerte zu verkaufen
  • Kapital effizienter einsetzen

Mit der zunehmenden Entwicklung von DeFi, tokenisierten Vermögenswerten und Blockchain-Finanzsystemen könnte diese Strategie in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

Die Möglichkeit, Bitcoin, Ethereum oder digitales Gold als Sicherheit zu nutzen, verändert bereits heute die Art und Weise, wie Investoren über Liquidität und Vermögensmanagement denken.

Oder anders formuliert:

In der neuen digitalen Finanzwelt muss Vermögen nicht mehr verkauft werden, um Kapital verfügbar zu machen.

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